Tatort Zeitonline

Ich lese ja wirklich gerne Zeitonline.

Und ich verlinke auch gerne Artikel zu bestimmten Themen unter meinen Videos, weil sie oft sehr informativ sind.

Es gibt aber leider auch immer wieder ein paar kleine Ausnahmen. Bei Themen wie der Vorratsdatenspeicherung oder den Internetsperren kommen immer wieder Autoren zu Wort, die doch sehr fragwürdig argumentieren und meiner Meinung nach die Durchschnittsqualität der dort veröffentlichten Artikel stark mindern.

So habe ich heute wieder einen unschönen Artikel gefunden: „Tatort Privatfernsehen“ vom 15.10.2010. von Heinrich Wefing.

Nun haben sich schon viele Medien kritisch mit der unterirdischen Serie „Tatort Internet“ befasst, die jetzt statt „Grenzenlos geil – Deutschlands Sexsüchtige packen aus“ das erste mal auf RTL II ausgestrahlt wurde. In der Sendung macht die nun weltbekannte Frau Guttenberg reißerische Werbung für „Internetsperren“ und hat somit nun neben der Bildzeitung ein zweites, für seine hohe Qualität bekanntes Sprachrohr, gefunden.

Das Niveau scheint ansteckend zu sein. Denn so schreib Heinrich Wefing für Zeitonline:

Die Dokumentation Tatort Internet zeigt, wie Männer in Chaträumen versuchen, mit 13-Jährigen Kontakt aufzunehmen, um sich dann mit ihnen zum Sex zu verabreden;

Achso. Ich dachte die Show zeigt, wie junge Frauen sich in Chaträumen als 13 jährige Lockvögel ausgeben um Männer kennenzulernen. Wie genau der Chat abläuft kann man nicht erkennen, da RTL II nur ein paar Zitate aus dem Chat vorstellt, die ohne den Kontext noch nicht einmal ausschließen können, dass die Lockvögel die Chatpartner so lange überreden müssen bis sie sich zu einem Treffen einlassen.

Indem Herr Wefing das ganze einfach umdreht: „Männer in Chaträumen versuchen, mit 13-Jährigen Kontakt aufzunehmen“ entgeht er natürlich der großen moralischen Frage hinter der Show. Versucht der Sender die Menschen zu einer Straftat zu verführen um effektvolles Bildmaterial zu produzieren? „Innocence in Danger“ sozusagen?

Und dann werden auch weiter schöne Behauptungen in dem Artikel aufgestellt: Wie zum Beispiel diese hier:

selbst die Internet-Verbände, anfangs heftige Gegner des Sperrens, mussten mittlerweile einräumen, dass das Löschen von Kinderporno-Seiten längst nicht so gut klappt, wie sie das versprochen hatten.

Eine Quelle wird leider nicht angegeben. Vielleicht weil es keine gibt? Ich würde dem Herrn Wefing ja diesen Artikel zum zitieren empfehlen: Kapitulationserklärung gegenüber Kinderschändern vom AK-Zensur. Kleiner Auszug:

Dass das Löschen schnell geht, zeigen das Experiment vom Mai 2009 und eine Studie der Universität Cambridge, nach der Banken es im Schnitt innerhalb von vier bis acht Stunden schaffen, Betrugswebseiten zu löschen.

Schon auf der ersten Seite von „Tatort Privatfernsehen“ wird einem klar was der Artikel bezwecken soll. Alle fragwürdigen Aktionen von den Sperrbefürwortern werden nach und nach relativiert, die Argumente derer die seit etlichen Monaten gegen Sperren sind, werden in nebensätzen weggewischt. Teilweise werden die armen Zensursulas, Censilias und Guttenbergs sogar als Opfer dargestellt, dabei wollen sie doch nur für unsere Kinder kämpfen:

So ist es der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen ergangen, als sie digitale Sperren gegen die Verbreitung von Kinderporno-Seiten im Internet forderte und damit einen hasserfüllten Widerspruch auslöste, eine gigantische Protestwelle, wie es sie gegen das Geschäft mit dem Missbrauch von Kindern im Netz noch nie gegeben hat.

Man erntet also „hasserfüllten Widerspruch“ und „gigantische Protestwellen“ wenn man sich hierzulande ganz ehrlich für die armen kleinen Kinder einsetzt.

Den Artikel auf Seite zwei weiterzulesen lohnt sich übrigens nicht. Nach dem ersten Absatz stellt sich ein seltsames Gefühl ein.Die Zeilen kommen einem irgendwie bekannt vor.

Vergleich Seite 1 und 2

Wenn man die beiden Seiten nebeneinander legt, erkennt man auch wieso. Es liegt daran, dass lediglich zwei kleine Absätze neu sind. Der Rest wurde komplett von der ersten Seite kopiert.

Nur der kleine Anfang und das kurze Ende sind neu. Vielleicht, damit einen nicht zu sehr das Gefühl betrübt, man würde seiner Zeit beraubt. Vielleicht will der Autor mit der Wiederholung aber auch erreichen, dass man wirklich verinnerlicht was er schreibt.

Dann ist es aber wirklich schade, dass er den durchaus sinnvollen Aufruf in seinem letzten Absatz nur ein einziges mal verwendet:

Die bei Weitem wichtigste Frage lautet: Was nutzt den Opfern? Sie muss laut und deutlich gestellt werden. Lauter und deutlicher als bislang üblich.

Nutzen Internetsperren wirklich den Opfern? Wieso sind sich alle fast alle Opfer und Experten einig, dass sie nichts nützen? Und wieso befinden sich nur so zwielichtige Gestalten auf der Befürworterseite? Wieso benutzen diese jetzt RTL II und die Bildzeitung um für die Sperren zu hetzen, wie es einst Zensursula mit ihren demagogischen Reden getan hat? Wieso lässt der Artikel all diese interessanten Fragen aus?

Und wenn es Herr Wefing wirklich ernst meint mit seiner Frage: „Was nützt den Opfern?“:

Vielleicht möchte er ja das nächste mal jemanden vom Mogis-Verein auf seiner ersten oder zweiten Seite zu Wort kommen lassen? Dann kann er den Betroffenen wirklich, „Lauter und deutlicher als bislang üblich“, „nützen“.

6 Antworten zu Tatort Zeitonline

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Robin Wegener, Silencium and alexanderlehmann, alexanderlehmann. alexanderlehmann said: leider ein sehr schlechter Artikel zu "Internetsperren" auf Zeit.de erschienen: Tatort Privatfernsehen gebloggt: http://tinyurl.com/253prml […]

  2. Ach weißte, den Wefing muß man nicht ernst nehmen. Der schreibt nur was übers Internet, damit er was übers Internet schreibt. Guckstu:

    http://www.zeit.de/2009/13/Meinung-Kinder
    http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Grenze
    http://www.zeit.de/2009/29/Zensur
    http://www.zeit.de/2009/42/Innenpolitik?page=all
    http://www.zeit.de/2010/08/P-Schwarz-Gelb-Internet?page=all

    Weiteres unter „heinrich wefing site:zeit.de“ bei der Suchmaschine Deiner Wahl.

    Gruß, Frosch

  3. Sebs sagt:

    Es ist schade das dies noch nicht so wirklich nachrecherchiert wurde, aber ich gehe davon aus das hier in den Medien die Positionen diverser Thinktanks etc wiedergegeben werden. Was sehr interessant dabei ist: die Positionen widersprechen stark den sonst von diesen Medien vertretenen Meinungen und die Autoren, bzw deren leitende Redakteure sind wohl auf eine nicht allzugroße Gruppe zusammenzudampfen.
    Das geschieht im Bereich „Firmen“ und heisst da im US jargon „corporate underwriting“, in Unterhaltungsmedien (das weisse Haus hat solche angeordneten Themenschwerpunkte 2010 zum ersten mal zugegeben) aber auch natürlich wenn es um die reine Gesetzesmacherei geht.
    Schlussendlich ist das ganze Thema doch nur ein Werkzeug um am Ende deep packet inspection durchzusetzen, das ganze am besten global, wer profitiert davon? Die Telcos und die Regierungen. Warum wir uns da so von den Netzsperren und dem Kipo-Thema kirre machen lassen ist doch eigentlich das Instrument „Die armen Kinder“ um so mehr hier darauf eingegeangen wird, um so weniger Zeit bleibt eigentlich dafür das freie Netz zu verteidigen. Eine ganz schön abgezockte Strategie aber sehr wirkungsvoll.

  4. Sigrid sagt:

    Vergnüglicher Blogbeitrag.Hat beim Lesen richtig Spaß gemacht. Bin auf weitere Posts gespannt!

  5. seo sagt:

    Thank you very much😉

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