Neuer Film „Der neue Personalausweis“ (und die kritischen Reaktionen)

Dezember 20, 2010

Am vergangenen Donnerstag hat extra3 meinen neuen Film auf ihrer Seite veröffentlicht: Toll: der neue Perso.

Kurz nach der Veröffentlichung gab es viel Kritik. Nicht nur auf Netzpolitik, sondern auch in den Kommentaren beim NDR.

Ich habe auch schon bei Netzpolitik geantwortet (Kommentar 23.) und auch beim NDR meine Antwort reingestellt (da werden seit Freitag aber anscheinend keine Kommentare mehr freigeschaltet).

Kernaussage der meisten Kritiker ist, dass der Film sich unter dem argumentativen Niveau meiner bisherigen Filme befindet, weil er sich nur auf die zwei Themen „teuer“ und „kompliziert“ einschießt.

Ich teile diese Auffassung.

So ist das ursprüngliche Script zu diesem Film ist auch auf die Herkunft des Ausweises („Otto-Katalog“ also Anti-Terror-Ausweis) auf den mangelnden Nutzen (wofür braucht man ihn derzeit? StudiVZ, online shopping?) und auf die Gefahren eingegangen (Abschaffung der Anonymität – oder wie de Maiziere es so schön sagte: „Jeder Bürger soll ab sofort nur noch mit offenem Visier online sein können“ – so wie wir ja auch alle in der realen Welt beim Einkaufen unseren Personalausweis an unserer Stirn tragen).

Auch, dass man zukünftig selbst Schuld an einem Identitätsdiebstahl ist, weil man ja seinen Rechner nicht sicher gehalten hat (was technisch im Grunde überhaupt nicht möglich ist (siehe Ausweis App. oder allgemein „Zero-Day-Lücken – etc.)) – wenn der Gewinn für Betrüger groß genug ist (und die Ausbeute wird durch die vielen neuen Funktionen im neuen Ausweis erheblich größer), wird es irgendwann einen Weg geben, um den Ausweis zu missbrauchen.

Der Betrogene ist dann vermutlich sogar selbst Schuld (kein sicheres System gehabt) und wird Probleme bekommen seine Unschuld zu beweisen wenn die Justiz der Technik genauso blind vertraut wie es unsere Politiker derzeit tun.

All diese Aspekte wurden allerdings aus Zeit und Komplexitätsgründen aus dem Script gestrichen und übrig geblieben sind eben diese beiden Hauptkritikpunkte: Der Ausweis wird entgegen der Propaganda unserer Regierung eben doch alles teurer machen – und er wird es alles nicht einfacher machen – im Gegenteil.

Man muss allerdings bedenken, dass die Zielgruppe von extra3 50-60 Jahre ist. Und diese kann man vielleicht mit einem Film der einfach nur aufzeigt wie abstrus es eigentlich ist, in Zukunft von jedem zu Verlangen einen „sicheren“ Computer für die Verwendung des neuen Ausweises zu nutzen. Und es macht auch keinen Sinn einen Film nur für das aufgeklärte Publikum zu machen – denn die Wissen ohnehin über die Gefahren bescheid.

Ein Mittelweg – nicht zu technisch oder zu abstrakt – um die Zielgruppe nicht zu verlieren, wäre wohl der goldene Weg gewesen (so wie ich ihn in meinen bisherigen Filmen auch immer gesucht habe). Das war aber eben aus Zeit- und oben genannten Gründen leider nicht möglich.

In jedem Fall also vielen Dank für die vielen Reaktionen und Rückmeldungen die mir dabei helfen meine Filme stetig zu verbessern.