Antwort auf den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren

März 29, 2012

51 Tatort Autoren haben heute einen offenen Brief veröffentlicht. In dem Brief fordern die Autoren unter anderem eine Stärkung des Urheberrechts und ein konsequenteres Vorgehen bei seiner Durchsetzung.

Ich fragte mich sofort, wie eine Gruppe von Autoren die von den GEZ Gebühren – also einer Art „Kulturflatrate“ bezahlt wird, auf die Idee kommt Urheberrechtsverletzungen und Filesharing in einem offenen Brief anzuprangern. Also eigentlich fragte ich nicht mich – sondern ich fragte sie. Per email. Und weil ich ohnehin keine Antwort erwarte habe ich nun beschlossen die Email wenigstens hier reinzustellen:

Sehr geehrte Tatort Autoren,

ich habe ein paar Fragen bezüglich Ihres offenen Briefes.

Ich würde gerne wissen, ob Sie in ihrer Funktion als Tatort-Autoren hauptsächlich durch Gelder entlohnt werden, die durch die GEZ eingezogen werden?

Falls dies der Fall ist, sind sie doch eigentlich ohnehin von Urheberrechtsverletzungen wie etwa „Filesharing“ so gut wie garnicht betroffen, oder? Denn sie werden für ihre Arbeit bereits durch eine Art „Kulturflatrate“ entlohnt.
Was sie in die günstige Position bringt, nicht auf den „Verkauf“ ihrer Werke in digitaler oder analoger Form angewiesen zu sein.

Meiner Meinunge nach, sollten gerade im Falle des Tatortes und vieler weiterer Produktionen, die Ö.R. dazu übergehen sie der Allgemeinheit kostenlos als Download zur Verfügung zu stellen – denn die Allgemeinheit hat dafür ja auch bereits bezahlt.

Bei meinen kleineren Arbeiten die ich für öffentlich rechtliche Sender mache, sind alle Werke nach Ausstrahlung unbegrenzt lange unter einer „Creative Commons Lizenz“ frei zum Download verfügbar. Und das hatte für mich bisher immer nur positive Auswirkungen. Mehr Zuschauer, mehr Aufträge – mehr Geld.

Wie denken sie darüber?

(…)

Mit kollegialen Grüßen,
Alexander Lehmann

Weitere und etwas ausführlichere Antworten gibt es auf Netzpolitik und vom CCC.


Leistungsschutzrecht und Springer

März 22, 2012

Seit ein paar Wochen gibt es eine Diskussion um das sogenannte Leistungsschutzrecht im Netz.

Soeben habe ich auf Netzpolitik.org einen schönen Beitrag von Zapp zu dem Thema gefunden:

Besonders dreist ist natürlich dass die großen Medienhäuser auf der einen Seite immer größere Gewinne einfahren und auf der anderen Seite der Politik ihren Wunschzettel diktieren. Logisch ist es leider, wer berichtet sonst noch positiv über unsere Politiker?

Vor ein paar Monaten, als die Debatte um den Staatstrojaner so richtig in Gang war, fragte auch jemand von der Springer Presse (Bild-Online-TV o.Ä.) bei mir an. Sie hätten gerne ein paar Nutzungsrechte an meinem Film „Du bist Terrorist„. Selbstverständlich kostenlos.

Es wäre ja schließlich eine Ehre, wenn meine Arbeit auf einer Bild-Seite zu sehen sei – und es würde mir Aufmerksamkeit bringen. Eine übliche Anfrage – gefolgt von einem meist peinlichen hin und her per Email. So gut wie nie kommt bei sowas eine angemessene Entlohnung raus. Im Falle dieser Anfrage vom milliardenschweren Springerkonzern: ein kleines Taschengeld welches ich dankend ablehnte.

 

Ich frage mich ob diese Leute auch bei jeder Neueröffnung eines Fotografen auf kostenlose Passbilder bestehen – der Fotograf kann ja schließlich stolz, sein dass so edle Menschen sich von ihm fotografieren lassen. Für die Verwendung des Passbilds in Bewerbungen und Ausweis verlangen sie dann natürlich Geld.

 

Es wäre wünschenswert wenn die Politik sich mehr um die gerechtere Entlohnung freier Mitarbeiter kümmern würde – oder zumindest die Seite der gierigen Großen nicht noch weiter stärkt.

 

Erst wenn der letzte freie Autor verhungert ist, werden die Politiker und Verlage bemerken, dass umformulierte Pressemitteilungen keine schutzwürdigen Leistungen sind.