„Satire“ zum Zensus?

Mai 22, 2011

Es ist eine Sache, ob man die wirklich kritikwürdigen Punkte  (hier einige als Beispiel) zum Zensus 2011 nicht anspricht und es nicht schafft einen fundierten kritischen (satirischen) Beitrag zu dem Thema zu machen. Ich habe in den letzten Wochen noch keinen guten Beitrag zu dem Thema (der über ein bisschen Comedy hinausgeht) gesehen (was nicht heißt, dass es ihn nicht gibt…).

Dass es noch schlimmer geht, hat die heute show in ihrer letzten Sendung  (20. Mai) bewiesen:

In einem kurzen Beitrag werden zunächst etwas „uninformiertere“ Menschen ob ihrer Bedenken lächerlich gemacht, um dann anschließend einen der aktivsten Kritiker des Zensus2011 ans Bein zu pinkeln: Michael Ebeling, der z.B. auf http://vobo11.de fundierte kritische Informationen zum Zensus bereitstellt, wird vorgeworfen er solle sich mal nicht so über das bisschen Datensammelei aufregen, denn er selbst stelle ja auf seiner Infoseite seinen Namen, Adresse und Emailadresse (in Fachkreisen auch Impressum genannt) zur Verfügung.

Dass man in Deutschland per Gesetz von dem gleichen Organ was die Bevölkerung zum Zensus zwingt, auch dazu gezwungen wird seine Kontaktdaten ins Internet zu stellen wenn man eine Webseite betreibt (Impressumspflicht), scheint die Redaktion der heute show nicht zu wissen.

Extrem peinlich und leider auch gefährlich.

Denn das einzige was bei den Zuschauern dieser Tage hängen bleibt: Der Zensus ist garnicht so schlimm – ist ja wie Facebook – und die ganzen aktiven Datenschützer machen immer ’ne große Show und eigentlich veröffentlichen ja heute alle ihre Daten allüberall.

Eigentlich schade – es gibt genügend Punkte die man beim Zensus (auch satirisch) ansprechen könnte. Stattdessen gibt es nur Comedy und ultra-light-Witze und immer wieder vergleiche mit den völlig (freiwilligen und bußgeldlosen) Datensammlungen von Google, Facebook und co. Unsere Machthaber reiben sich die Hände, so viel Desinformation und Ablenkungsmanöver haben sie bestimmt nicht erwartet.

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Die Darstellung der Menschen in „Lieber Afrikaner“

März 15, 2011

Zur Zeit regen sich einige in Blogs und in Twitter über meinen neuen Film „Lieber Afrikaner“ auf.

Und zu meiner Verwunderung regen sie sich nicht darüber auf, dass z.B. 1000 Wasserleichen von dem fiktiven Erzähler als „hübscher Steg“ tituliert werden, oder dass die menschenverachtende Sklaverei als eine „Verbreitung von Wohlstand und Glück“ schöngeredet wird.

Einzig daran, dass ich der Sichtweise des fiktiven Erzählers folgend, die Bewohner des Kontinents Afrika so darstelle, dass sie seinem Bild vom „Afrikaner“ entsprechen.

Es sollte bereits in der ersten Szene klar werden, was für ein Menschenbild der Erzähler hat:

„Lieber Afrikaner, schon früher haben wir Wohlstand und Glück auf deinem Kontinent verbreitet. Und auch heute…“

Dieses Menschenbild hat sich bis heute also im Grunde nicht verändert – weswegen sich seine Ansicht auf die Menschen dort auch nicht verändert hat. Es spricht ein zurückgebliebener Kolonialherr der früher wie heute den Kontinent ausbeutet und die Verantwortung seiner Taten nicht übernimmt sondern stattdessen das erbeutete Geld gegen diejenigen einsetzt aus denen er es herausgepresst hat. Früher hat er sie versklavt und in die Armut getrieben und heute bezeichnet er das „Outsourcing“ von fast unbezahlter Arbeit, das Abdrängen und ertrinken lassen oder das Einsperren von Flüchtlingen als großzügige Hilfe. Der Erzähler ist die Verschmelzung aller die auch heute noch die Ausbeutung, das Töten oder die menschenrechtsverachtende Misshandlung der Menschen, beschließt, möglich macht oder einfach hinnimmt ohne etwas dagegen zu unternehmen.

Ganz sicher wollte ich mit „Lieber Afrikaner“ niemanden verletzen oder diskriminieren. Im Gegenteil, wie man dem Film hoffentlich unschwer entnehmen kann ,wollte ich Leute auf die europäische Außenpolitik aufmerksam machen. Viele Kommentare auf YouTube lassen darauf schließen, dass manche Menschen nichtmal wußten was Frontex ist und was sie tun. Mit den beigefügten Links zu weiteren seriösen Quellen hier auf meinem Blog oder in der Beschreibung des Videos hoffe ich den ein oder anderen über das Thema aufklären zu können.

Hätte ich gewußt, dass einzig aufgrund dieser Darstellung nur über diese Darstellung statt z.B. über die menschenverachtenden Machenschaften von Frontex diskutiert wird, hätte ich mir auch noch die ohnehin sehr knappe Zeit genommen um die Männchen in den folgenden Szenen anders darzustellen.

Eigentlich überflüssig dies hier zu erwähnen, aber selbstverständlich enstsprechen diese Darstellungen NICHT meinem Weltbild. Wer dies glaubt, der glaubt nach „Du bist Terrorist“ auch dass ich Nacktscanner wortwörtlich für eine „hübsche Überraschung“ halte. Oder dass „einfach Wegschauen“ eine angemessene Taktik ist, um in Familien auf die Vergewaltigung von Kindern zu reagieren.

Aber eigentlich hätte ich mir das Geschreibe hier alles sparen können weil Anne Roth auf ihrem Blog in einem Kommentar den Film sehr schön analysiert hat. Vielen Dank dafür.


Neuer Film „Der neue Personalausweis“ (und die kritischen Reaktionen)

Dezember 20, 2010

Am vergangenen Donnerstag hat extra3 meinen neuen Film auf ihrer Seite veröffentlicht: Toll: der neue Perso.

Kurz nach der Veröffentlichung gab es viel Kritik. Nicht nur auf Netzpolitik, sondern auch in den Kommentaren beim NDR.

Ich habe auch schon bei Netzpolitik geantwortet (Kommentar 23.) und auch beim NDR meine Antwort reingestellt (da werden seit Freitag aber anscheinend keine Kommentare mehr freigeschaltet).

Kernaussage der meisten Kritiker ist, dass der Film sich unter dem argumentativen Niveau meiner bisherigen Filme befindet, weil er sich nur auf die zwei Themen „teuer“ und „kompliziert“ einschießt.

Ich teile diese Auffassung.

So ist das ursprüngliche Script zu diesem Film ist auch auf die Herkunft des Ausweises („Otto-Katalog“ also Anti-Terror-Ausweis) auf den mangelnden Nutzen (wofür braucht man ihn derzeit? StudiVZ, online shopping?) und auf die Gefahren eingegangen (Abschaffung der Anonymität – oder wie de Maiziere es so schön sagte: „Jeder Bürger soll ab sofort nur noch mit offenem Visier online sein können“ – so wie wir ja auch alle in der realen Welt beim Einkaufen unseren Personalausweis an unserer Stirn tragen).

Auch, dass man zukünftig selbst Schuld an einem Identitätsdiebstahl ist, weil man ja seinen Rechner nicht sicher gehalten hat (was technisch im Grunde überhaupt nicht möglich ist (siehe Ausweis App. oder allgemein „Zero-Day-Lücken – etc.)) – wenn der Gewinn für Betrüger groß genug ist (und die Ausbeute wird durch die vielen neuen Funktionen im neuen Ausweis erheblich größer), wird es irgendwann einen Weg geben, um den Ausweis zu missbrauchen.

Der Betrogene ist dann vermutlich sogar selbst Schuld (kein sicheres System gehabt) und wird Probleme bekommen seine Unschuld zu beweisen wenn die Justiz der Technik genauso blind vertraut wie es unsere Politiker derzeit tun.

All diese Aspekte wurden allerdings aus Zeit und Komplexitätsgründen aus dem Script gestrichen und übrig geblieben sind eben diese beiden Hauptkritikpunkte: Der Ausweis wird entgegen der Propaganda unserer Regierung eben doch alles teurer machen – und er wird es alles nicht einfacher machen – im Gegenteil.

Man muss allerdings bedenken, dass die Zielgruppe von extra3 50-60 Jahre ist. Und diese kann man vielleicht mit einem Film der einfach nur aufzeigt wie abstrus es eigentlich ist, in Zukunft von jedem zu Verlangen einen „sicheren“ Computer für die Verwendung des neuen Ausweises zu nutzen. Und es macht auch keinen Sinn einen Film nur für das aufgeklärte Publikum zu machen – denn die Wissen ohnehin über die Gefahren bescheid.

Ein Mittelweg – nicht zu technisch oder zu abstrakt – um die Zielgruppe nicht zu verlieren, wäre wohl der goldene Weg gewesen (so wie ich ihn in meinen bisherigen Filmen auch immer gesucht habe). Das war aber eben aus Zeit- und oben genannten Gründen leider nicht möglich.

In jedem Fall also vielen Dank für die vielen Reaktionen und Rückmeldungen die mir dabei helfen meine Filme stetig zu verbessern.